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    Pressemitteilung

    22.05.2008
    Flugunfallübung am Hamburg Airport

    Am 22. Mai wird am Flughafen Hamburg der Ernstfall geprobt. Zweck der übung ist es, das Ineinandergreifen aller Kräfte im Notfall zu trainieren. Dann kommt es vor allem auf die fehlerfreie Koordination und auf die optimale Zusammenarbeit der Einsatzkräfte untereinander an. Entsprechend den Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO (engl. Bezeichnung: International Civil Aviation Organization) wird in regelmäßigen Abständen eine große Flugunfall-übung am Hamburg Airport durchge-führt. Während der übung werden auf dem Flughafengelände nahe dem Kreuz der Start- und Landebahnen rund 1.000 Hilfskräfte, Statisten, Beobachter und Gäste vor Ort sein.

    Während der übung läuft der Flugverkehr ohne Beeinträchtigungen weiter.

    Diesjähriges Szenario: Einbrechen des Fahrwerks bei Landung
    Konkret wird das diesjährige Szenario wie folgt ablaufen: Der Pilot des imaginären Flu-ges Blue-Sky-Airlines, Flugnummer BSA 211, von Paris nach Hamburg meldet sich um 17:55 Uhr beim Kontrollturm zur Landung an. Die Maschine war um 16:25 Uhr in Paris gestartet. Es handelt sich um einen Charterflug, der mit 116 Passagieren und 5 Besat-zungsmitgliedern verschiedener Nationalitäten besetzt ist. Um 18:00 Uhr setzt die Ma-schine aus nordöstlicher Richtung kommend auf der Piste 23 auf. Dabei tritt aus bisher ungeklärten Gründen am rechten Fahrwerk ein Defekt auf, der die Maschine bei einer Geschwindigkeit von ca. 265 km/h in Höhe der Kreuzung der beiden Start-/Landepisten nach rechts ausbrechen lässt. Dabei wird die Maschine entsprechend stark beschädigt und kommt im Bereich nordwestlich der Start/Landebahnen kurz vor dem dortigen Waldstück zum stehen. Das vordere Fahrwerk sowie mehrere Bauteile der Maschine werden aufgrund der mechanischen Beanspruchung abgerissen und brennen. Der eigentliche Rumpf der Maschine bleibt intakt. Tote und Schwerverletzte liegen zwischen verstreut liegenden Koffern und Flugzeugteilen. Unverletzte irren in dem Bereich umher.

    Der Crash wurde vom Tower beobachtet, der unmittelbar die Alarmierungswege einleitet. Die Flughafen-Feuerwehr ist als Erste vor Ort und beginnt mit den ersten Rettungs- und Löscharbeiten. Dann rücken die Hamburger Feuerwehr und die Feuerwehr Norderstedt an. Die überhitzten Bremsen des Fahrwerkes müssen abgekühlt werden, um den Ausbruch eines Feuers zu vermeiden. Sobald die Berufsfeuerwehr vor Ort eingetroffen ist und die Einsatzleitung am Schadensort übernommen hat, zieht sich die Flughafen-Feuerwehr zurück, um wieder in regulärer Bereitschaft für den normalen Betrieb tätig zu sein.

    Rettung und Versorgung von Verletzten
    Zur Notfallübung gehört jedoch nicht nur die technische Hilfeleistung durch die Feuerwehren. Geprobt werden gleichzeitig auch die medizinische Versorgung von 60 Verletzten und die Bergung von 11 Toten. Die Verletzten und Unverletzten werden in der übung von Mitgliedern der Bundeswehr und des DRK dargestellt. Lebensgroße Puppen stellen die Toten dar. Ebenfalls beteiligt sind 25 ehrenamtliche Rettungskräf-te der Schnell-Einsatz-Gruppe Rettung (SEGR) der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit vier Rettungstransport- sowie vier Geräte- und Mannschaftswagen. Sie unterstützen die Berufsfeuerwehr Hamburg beim Betrieb des Behandlungsplatzes am Schadensort so-wie beim Patiententransport ins fiktive Krankenhaus. Die Schnell-Einsatz-Gruppe der Johanniter wurde 2002 von der Berufsfeuerwehr Hamburg anerkannt und wird bei Großschadensereignissen mit einer geschätzten Verletztenzahl von 20 oder mehr Per-sonen durch die Einsatzleitstelle der Hamburger Feuerwehr alarmiert. Sie verfügt über 45 Ehrenamtliche mit unterschiedlichen Qualifikationen (Sanitätshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent, Arzt). Die Haupteinsatzzeiten liegen unter der Woche nachts und am Wochenende rund um die Uhr. Es gibt drei SEGR-Stützpunkte, die sich in den Stadtteilen Osdorf, Wandsbek und Bergedorf befinden.

    Das Schminken der Darsteller wird von vier Teams der Feuerwehr Hamburg, der Bundeswehr und des DRK gleichzeitig durchgeführt, um die hohe Anzahl der Verletzten rechtzeitig für eine realistische Unfalldarstellung vorzubereiten. Anschließend werden die Darsteller am übungsort im Flugzeug, auf den angrenzenden Wiesen und Waldstücken ihre Positionen einnehmen. Im übungsgebiet wurden darüber hinaus mehrere Trümmerteile verteilt. Vom Arbeiter-Samariter-Bund zur Verfügung gestellte Altkleider sowie alte Koffer und Taschen stellen das Streufeld dar. Unter genauer Planung und Aufsicht eines Pyrotechnikers werden verschiedene akustische und optische Effekte gezündet, um den realistischen Eindruck am Schadensort noch zu unterstreichen.
    DRK-Rettungshundestaffel und Polizeihubschrauber im Einsatz
    Bei der Suche nach Verletzten oder traumatisierten Unfallopfern, die sich bei-spielsweise in Panik auf dem weiträumigen und teilweise unübersichtlichen Gelände verlaufen haben könnten, kommen auch Hundeführer des Roten Kreuzes mit ihren Tieren zum Einsatz. Die Rettungshundestaffel wurde 1984 vom Deutschen Roten Kreuz in Hamburg gegründet und besteht derzeit aus mehr als 20 Ehrenamtlichen, die sich und ihre 26 Hunde einer strengen Ausbildung unterziehen. So bereiten sich die Hundeführer mit ihren Tieren auch in einem wöchentlichen Training und ständigen Prüfungen auf den Ernstfall vor. Mit ihrem Spürsinn finden die DRK-Rettungshunde Vermisste sogar unter Trümmerbergen. Seit mehr als 20 Jahren sind die Vierbeiner der DRK-Rettungshundestaffel deshalb im In- und Ausland dort im Einsatz, wo der Mensch allein nicht mehr weiterkommt. Die Suche nach im Gelände verschwundenen Passagieren erfolgt mit Unterstützung durch den Polizeihubschrauber Libelle, der in enger Abstimmung mit dem Einsatzleiter mit Wärmebildkamera und Blick aus der Vogelperspektive eine sinnvolle Ergänzung darstellt.

    Psychologische Erstbetreuung durch geschultes Personal
    Hamburg Airport sendet umgehend 20 Mitarbeiter seines ständig zur Verfügung stehenden Teams für Hilfeleistung und Erstbetreuung vor Ort (THEO), das die Betreu-ung übernimmt. Die speziell ausgebildeten Flughafen-Mitarbeiter kümmern sich um Leicht- und Unverletzte und stehen für viele Fragen und als Ansprechpartner zur Verfügung. Die seelsorgerische Betreuung wird durch den Flughafenpastor und die Notfall-seelsorge Hamburg durchgeführt. Auch die Air France, Swissport und das DRK stellen Kräfte zur Verfügung.

    Angehörigen-Betreuung und Zusammenführung von Personen
    Zusätzlich zu den unmittelbaren Opfern und den 50 unverletzten Passagieren brauchen 62 Abholer und Angehörige der Passagiere Fürsorge, die in den Terminals warten und von Schülern der Landespolizeischule und des DRK dargestellt werden. In hierfür festgelegten Bereichen und Räumen des Terminals 2 richtet Hamburg Airport sofort nach Alarmauslösung Evakuierungs- und Betreuungsräume ein, das sogenannte EVA-Zentrum, wohin die Abholer und die Leicht- oder Unverletzten mit Bussen gebracht werden. Getrennt voneinander werden sie psychosozial betreut. Decken, Getränke und Snacks werden dort ebenso bereit gehalten wie Kinderspielzeug und Teddys. Jedem Darsteller wurden vor der übung eine Identität und verschiedene Verhaltensweisen zugeordnet. So werden die Einsatzkräfte unterschiedlich und in einem breiten Spektrum von Aufgaben gefordert. Mitarbeiter des Polizeikommissariats 34 stellen die Personalien der Passagiere und deren Angehörigen bzw. Abholern fest, stellen ihre Betreuung sicher und gewährleisten die anschließende Zusammenführung. Dabei werden sie von Mitarbeitern des Bezirksamtes Hamburg-Nord in Betreuungsangelegenheiten unterstützt.

    Die Mitarbeiter der Kriminalpolizeilichen Unfallkommission (KUK) sind für folgende Aufgaben zuständig:
    - Identifizierung der Opfer
    - Durchführung von Identifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem In-stitut für Rechtsmedizin
    - Durchführung von Todesermittlungsverfahren
    - Sicherstellung und Zuordnung aller aufgefundenen Gegenstände
    - Einrichtung einer zentralen Personenauskunfts- und Nachrichtensammelstelle
    - Abklärung von Vermisstenmeldungen
    - Informationszusammenführung und Erstellung von Personenlisten
    - Durchführung der Ermittlungen zur Schadensursache in Zusammenarbeit mit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU).

    Personenauskunft
    In der Behörde für Inneres wird durch Mitarbeiter des DRK die Zentrale Personenauskunftsstelle (PAST) besetzt und betrieben. Hier haben Bürger und Angehörige bundesweit die Möglichkeit, Anfragen zu Betroffenen des Fluges zu stellen oder Hinweise zu geben. Durch die Einrichtung einer zentralen Personenauskunfts- und Nachrichten-sammelstelle beim LKA werden alle aufgenommenen Daten am Schadensort, in den Krankenhäusern, am Flughafen und in der PAST zusammengeführt und miteinander verglichen. So können Ermittlungserfolge schnell erkannt und bekannte oder verwandte Personen rasch zusammengeführt werden.

    Hamburg Airport und der Katastrophenschutz in Hamburg sind bestens vorbereitet
    Sicherheit hat am Hamburg Airport höchste Priorität. Hier sind alle Mitarbeiter gut ausgebildet, einen möglichen Unfall so rasch wie möglich unter Kontrolle zu bringen und die notwendigen Abläufe fließend zu beherrschen. Deshalb wird die Flugunfallübung mit allen Beteiligten bis ins letzte Detail ausgewertet. Um im Notfall professionell und wirksam handeln zu können, ist eine gute Vorbereitung auf die Ausnahmesituation wichtig in technischer, organisatorischer und personeller Hinsicht. Hamburg Airport lässt sich seinen Sicherheitsstandard etwas kosten: Für sämtliche Sicherheitsmaßnah-men einschließlich Schulungen von Wach- und Sicherheitspersonal und der Bereitstel-lung von Kommunikationsmitteln fallen pro Jahr Aufwendungen in Höhe von ca. 1.000.000 Euro an.

    Der Katastrophenschutz in Hamburg ist gut vorbereitet. Gewonnene Erkenntnisse aus der übung werden in die Planungen einfließen. Alle mitwirkenden Kräfte im abwehrenden Katastrophenschutz werden bei der Flugunfallübung 2008 voraussichtlich wichtige Erfahrungen sammeln. Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Kräfte und Einheiten wird trainiert und die gegenseitigen Beziehungen gestärkt. Einsatzgrundsätze werden neuen Kräften vermittelt und trainiert. Erfahrungen werden in die Organisationen und Einrichtungen weitergetragen.

    Während der übung läuft der Flugverkehr ohne Beeinträchtigungen weiter.




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